Der US-Markt bietet deutschen Unternehmen große Chancen. Doch wer in den USA verkauft, muss sich frühzeitig mit einem Thema beschäftigen, das häufig unterschätzt wird: Sales Tax.
Viele Unternehmen gehen zunächst davon aus, dass Sales Tax ähnlich funktioniert wie die deutsche Umsatzsteuer. Das ist jedoch nicht der Fall. Wer die Unterschiede versteht und die wichtigsten Faktoren frühzeitig berücksichtigt, schafft eine solide Grundlage für den erfolgreichen Markteintritt in die USA.
Sales Tax verstehen: Anders als die deutsche Umsatzsteuer
Sales Tax ist eine Verbrauchsteuer, die in den USA auf bestimmte Waren und Dienstleistungen erhoben wird. Sie wird in der Regel vom Verkäufer beim Kunden eingezogen und anschließend an die zuständige Steuerbehörde abgeführt.
Soweit ist das System mit der deutschen Umsatzsteuer vergleichbar. Die Unterschiede sind jedoch grundlegend:
- Keine Mehrwertsteuer: Sales Tax läuft nicht durch die gesamte Wertschöpfungskette. Anders als in Deutschland gibt es keinen vergleichbaren Vorsteuerabzug.
- Besteuerung beim Endkunden: Sales Tax wird grundsätzlich erst auf der letzten Stufe der Lieferkette beim Verbraucher erhoben. B2B-Verkäufe können beispielsweise bei Weiterverkauf unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei sein (Resale Exemption).
- Preise ohne Sales Tax: In den USA werden Preise üblicherweise netto ausgewiesen. Die Sales Tax wird erst beim Bezahlvorgang hinzugefügt – beispielsweise im Onlinehandel, Einzelhandel oder Restaurant.
- Keine einheitliche Regelung: Es gibt keine zentrale Sales Tax für die gesamten USA. Jeder Bundesstaat sowie teilweise Counties und Städte haben eigene Vorschriften, Steuersätze und Anforderungen.
- Viele unterschiedliche Jurisdiktionen: Insgesamt gibt es in den USA mehr als 12.000 steuerliche Jurisdiktionen mit unterschiedlichen Regeln.
Welcher Steuersatz zur Anwendung kommt, hängt davon ab, wo der Verkauf stattfindet. Im stationären Handel ist häufig der Standort des Verkäufers relevant, während bei Lieferungen an Kunden oft der Lieferort bzw. Kundenstandort entscheidend ist.
Kein Nexus – Keine Sales Tax-Pflicht
Der Begriff Nexus ist einer der wichtigsten Grundbegriffe im US-amerikanischen Sales-Tax-System. Er beschreibt die Verbindung eines Unternehmens zu einem bestimmten Bundesstaat, durch die eine Verpflichtung entsteht, Sales Tax zu erheben, abzuführen und entsprechende Meldungen einzureichen.
Ein Nexus kann beispielsweise entstehen durch:
- eine US-Niederlassung oder ein Büro vor Ort
- Mitarbeiter oder Vertreter im jeweiligen Bundesstaat
- ein Lager oder Fulfillment-Center (z. B. Amazon FBA)
- bestimmte Vertriebspartner oder wirtschaftliche Aktivitäten
- das Überschreiten bestimmter Umsatz- oder Transaktionsgrenzen (Economic Nexus)
Ein Unternehmen benötigt also nicht zwingend eine eigene US-Gesellschaft, um Sales-Tax-Pflichten auszulösen. Auch deutsche Unternehmen, die direkt aus Deutschland in die USA verkaufen, können durch ihre Aktivitäten in einzelnen Bundesstaaten steuerpflichtig werden.
Liegt in einem Bundesstaat kein Nexus vor, besteht grundsätzlich keine Verpflichtung, dort Sales Tax zu berechnen und abzuführen – Der Verkauf erfolgt zum Nettopreis, ohne Sales Tax.
Entsteht jedoch ein Nexus, entstehen dadurch folgende Verpflichtungen:
- Registrierung für Sales Tax im jeweiligen Bundesstaat
- korrekte Berechnung und Ausweisung der Sales Tax gegenüber Kunden
- regelmäßige Sales-Tax-Meldungen
- fristgerechte Abführung der vereinnahmten Steuerbeträge
Nexus ist dabei kein einmaliger Prüfpunkt, sondern sollte bei jeder Veränderung des Geschäftsmodells, der Vertriebsstruktur oder des Umsatzvolumens erneut bewertet werden.
Ist mein Produkt steuerpflichtig?
Neben dem Nexus ist entscheidend, was verkauft wird.
Nicht jedes Produkt und nicht jede Dienstleistung wird in den USA gleich behandelt.
Beispiele:
- Software: Die steuerliche Behandlung hängt unter anderem davon ab, ob es sich um SaaS, Lizenzen oder individuell entwickelte Software handelt.
- Lebensmittel: Bestimmte Lebensmittel können steuerfrei sein, während andere Produkte steuerpflichtig sind.
- Nahrungsergänzungsmittel: Die Regeln können je nach Bundesstaat und Produkt variieren.
- Dienstleistungen: Viele Dienstleistungen sind nicht steuerpflichtig, bestimmte Leistungen können jedoch Ausnahmen bilden.
Eine Prüfung der Produktkategorie gehört daher zu jeder Sales-Tax-Analyse.
Wer ist der Kunde? Exemptions berücksichtigen
Auch die Art des Kunden spielt eine wichtige Rolle.
Bestimmte Verkäufe können von Sales Tax ausgenommen sein, zum Beispiel:
- Verkäufe an Unternehmen zum Weiterverkauf (Resale)
- bestimmte staatliche Einrichtungen
- qualifizierte gemeinnützige Organisationen
Damit diese Ausnahmen angewendet werden können, müssen Unternehmen die notwendigen Nachweise korrekt dokumentieren.
Sales Tax als Teil der US-Strategie
Sales Tax sollte nicht erst geprüft werden, wenn bereits Umsätze entstehen. Sie gehört von Anfang an in die Planung einer US-Expansion.
Eine erfolgreiche Sales-Tax-Strategie umfasst:
- Analyse des Geschäftsmodells
- Prüfung möglicher Nexus-Verpflichtungen
- Bewertung der Steuerbarkeit von Produkten und Dienstleistungen
- Aufbau geeigneter Prozesse für Rechnungen und Meldungen
Wer das Thema Sales Tax frühzeitig angeht, reduziert Risiken und schafft eine stabile Basis für nachhaltiges Wachstum in den USA.
ALTON unterstützt deutsche Unternehmen bei der Bewertung ihrer Sales-Tax-Pflichten, der Registrierung in den USA und der laufenden Compliance – damit Sie sich auf Ihr Wachstum im amerikanischen Markt konzentrieren können.
Kontaktieren Sie uns gerne für ein unverbindliches Erstgespräch! Weitere Informationen finden sie zudem auf www.salestax.de